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Eigene Fragen im Vorstellungsgespräch stellen

Eigene Fragen im Vorstellungsgespräch stellen

Im Vorstellungsgespräch erhält der Bewerber meist die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen. Erfahren Sie, wie Sie diese Chance gezielt für sich nutzen können.

  1. Wenn Sie zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden, übernimmt in der Regel zunächst Ihr Gegenüber die Gesprächsführung. Der Personalverantwortliche versucht sich in der gegebenen Zeit ein möglichst präzises Bild davon zu machen, ob Sie der geeignete Kandidat für die ausgeschriebene Stelle sind und wird Ihnen entsprechende Fragen stellen.

    Die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen, ist daher nicht nur eine Chance für den Bewerber, wichtige Informationen über das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle zu erhalten, sondern Sie können hier auch die Gesprächsführung übernehmen und Eigeninitiative zeigen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Funktionen Rückfragen haben können und wie Sie die passenden Fragen für Ihr Vorstellungsgespräch zusammenstellen. Außerdem finden Sie Beispiele für geeignete Fragen sowie für Fragen, die Sie besser vermeiden sollten. In vielen Fällen kommt es auf die Nuancen bei der Formulierung an. Auch dazu finden Sie hilfreiche Tipps, mit denen Sie sich gut auf Ihr Vorstellungsgespräch vorbereiten können.

  2. Meist wird der letzte Teil des Bewerbungsgesprächs mit der Frage des Personalers an den Bewerber eingeleitet: „Haben Sie noch Fragen?“ Auf diese Frage sollten Sie gut vorbereitet sein, denn dieser Part des Gesprächs hat mehrere wichtige Funktionen.

    Sie erhalten Informationen über das Unternehmen

    Eine naheliegende Funktion von eigenen Fragen im Vorstellungsgespräch ist es, Informationen über das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle in Erfahrung zu bringen, die Sie nicht über eine Internetrecherche finden konnten. Dazu gehören Informationen über die bisherige Stellenbesetzung, über Förderprogramme für Mitarbeiter oder auch über den Führungsstil des Vorgesetzten.

    Wenn Sie sich als Führungskraft bewerben, können Sie hier auch Einzelheiten über die Personalstruktur erfragen. Kurz gesagt: Nutzen Sie die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen, um sich ein möglichst genaues Bild über Ihre zukünftige Arbeitssituation zu machen.

    Sie stellen Ihr Interesse an der angestrebten Position unter Beweis

    Die konkreten Informationen, die Sie durch Nachfragen im Vorstellungsgespräch erhalten können, sind jedoch nicht der einzige Gewinn, den Sie aus dieser Gesprächsphase ziehen können. Durch die Fragen, die Sie stellen, und die Art und Weise, wie Sie diese formulieren, zeigen Sie Ihrem Gegenüber außerdem, wie intensiv Sie sich mit dem Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle beschäftigt haben und wie groß Ihr Interesse an der Position tatsächlich ist. Denn je besser Sie sich informiert haben, desto konkreter und pointierter können Sie fragen. Es wird Ihrem Gesprächspartner positiv auffallen, wenn Sie nicht nur allgemeine Fragen stellen, die auf eine beliebige Position in allen möglichen Unternehmen passen könnten. Und auch Fragen, die nicht nur Ihre Stelle betreffen ‒ wie zum Beispiel, ob das Unternehmen vorhat, in der nächsten Zukunft zu expandieren ‒, können signalisieren, dass Sie sich mit dem Gedanken, für das Unternehmen zu arbeiten, schon intensiver befasst haben und dass Sie über den eigenen Tellerrand schauen.

    Sie führen aktiv das Gespräch

    Eine weitere wichtige Funktion dieses Parts im Vorstellungsgespräch besteht darin, dass Sie aktiv werden und Eigeninitiative zeigen können. Den vorangegangenen Teil des Gesprächs wird mehr oder weniger Ihr Gegenüber geleitet haben, denn der Fokus lag darauf, Ihre Eignung für die Stelle zu prüfen. Jetzt können Sie in Führung gehen und vielleicht sogar den Gesprächspartner ein wenig aus der Reserve locken. Hier ist allerdings viel Fingerspitzengefühl gefragt: Natürlich dürfen Sie Ihr Gegenüber nicht in die Enge drängen, aber prüfende Fragen sind durchaus erlaubt. Schließlich möchten auch Sie ein möglichst genaues Bild von Ihrem potenziellen zukünftigen Arbeitgeber haben. Wenn es Ihnen gelingt, hier in einen echten Austausch zu kommen, ist das für beide Seiten ein Gewinn.

  3. Bei der Auswahl der richtigen Fragen sollten Sie sich nicht darauf verlassen, dass Ihnen spontan etwas einfallen wird. Außerdem sollten die Fragen weder zu banal noch zu allgemein sein. Gehen Sie also strategisch vor. Dabei können Sie sich an folgenden Schritten orientieren.

    Schritt 1: Brainstorming

    Um sinnvolle eigene Fragen zu formulieren, machen Sie ein Brainstorming zu Ihrer potenziellen neuen Stelle.
    Was möchten Sie über das Unternehmen wissen?

    Was möchten Sie über die angestrebte Position und die Ihnen zufallenden Aufgaben wissen?

    Hierbei sollten Sie Ihre Gedanken nicht zensieren. Schreiben Sie alle Fragen auf, die Ihnen in den Sinn kommen. Anschließend können Sie die Fragen priorisieren, nach Themen sortieren und ggf. überflüssige Fragen streichen.

    Schritt 2: Recherche

    Im zweiten Schritt stellen Sie eine Recherche an, um Antworten auf Ihre Fragen zu finden. Wenn sich dabei weitere Fragen ergeben, sollten Sie diese entsprechend in Ihrem Fragenkatalog ergänzen.

    Für Ihre Recherche können Sie die Webpräsenz des Unternehmens, Social-Media-Kanäle,  Nachrichten über das Unternehmen in Print- und Onlinemedien und sonstige Informationsmaterialien nutzen. Dieser Schritt ist besonders wichtig, da Sie keine Fragen stellen sollten, die sich durch eine Recherche hätten beantworten lassen.

    Schritt 3: Offene Fragen notieren

    Die Fragen, die sich durch Ihre Recherche nicht beantworten ließen, sind Kandidaten für Ihre Rückfragen im Vorstellungsgespräch. Notieren Sie sich diese Fragen auf einem separaten Zettel, den Sie durchaus mit ins Vorstellungsgespräch nehmen können. Wählen Sie die Fragen aus, die Sie auf jeden Fall stellen wollen. Es schadet aber nicht, zusätzlich einige Fragen in Reserve zu haben. Es kann schließlich sein, dass sich einige der Fragen bereits im Gespräch klären, und Sie sollten am Ende nicht ohne Fragen dastehen.

    Schritt 4: Konzentriert zuhören

    Die Liste mit Ihren Fragen muss nicht zwingend vor dem Bewerbungsgespräch abgeschlossen sein. Neue Fragen können sich auch aus dem Gespräch ergeben. Hier ist es sinnvoll, das Gegenüber nicht zu unterbrechen, sondern sich diese Fragen zu merken oder Stichworte zu notieren und sie an entsprechender Stelle anzubringen. Indem Sie auf etwas zurückkommen, das Ihr Gegenüber im Gespräch erwähnt hat, zeigen Sie außerdem, dass Sie konzentriert zuhören und mitdenken.

  4. Im Folgenden finden Sie einige Formulierungen für eigene Fragen im Bewerbungsgespräch, an denen Sie sich orientieren können. Achten Sie aber darauf, dass Sie nicht nur allgemeine Fragen stellen, sondern möglichst spezifisch auf die ausgeschriebene Stelle eingehen.

    Fragen zum Unternehmen

    • Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?
    • Was sind die Hauptziele, die das Unternehmen in den nächsten Monaten verfolgt?
    • Welchen Herausforderungen sieht sich das Unternehmen derzeit gegenüber?

    Fragen zu den Stellenkonditionen

    • Wie läuft die Einarbeitung ab?
    • Welche Ziele sollte der Teamleiter Webentwicklung in den nächsten sechs Monaten erreichen?
    • Wer wird mein direkter Vorgesetzter sein?

    Strategische Fragen

    Neben den Fragen, mit denen Sie als Bewerber gezielt Informationen zum Unternehmen und zur ausgeschriebenen Stelle erhalten möchten, können Sie auch ‚Fragen mit Hintergedanken‘ stellen.

    Fragen zum Posten

    • Wurde die Stelle als Datenbankentwickler neu eingerichtet oder wird eine vorhandene Stelle neu besetzt?
    • Wie lange hat der Vorgänger auf dieser Stelle gearbeitet?
    • Warum hat der Vorgänger die Stelle nicht mehr inne bzw. was macht er jetzt?

    Mit solchen oder ähnlichen Fragen können Sie zum Beispiel in Erfahrung bringen, ob es auf der Stelle eine hohe Fluktuation gibt oder welche Aufstiegschancen die Stelle bietet.

    Fragen zu den Wertvorstellungen des Unternehmens

    Versuchen Sie, etwas über die Wertvorstellungen des Unternehmens und die Anforderungen an Mitarbeiter und Bewerber zu erfahren. Passende Fragen sind hier etwa:

    • Wie werden in Ihrem Unternehmen Talente gefördert?
    • Was macht für Sie einen guten (oder sehr guten) Mitarbeiter aus?
    • Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für den zukünftigen Stelleninhaber?
  5. Natürlich gibt es auch einige Fragen, die Sie im Bewerbungsgespräch nicht stellen sollten.

    Fragen zu Informationen, die Sie recherchieren können

    Prinzipiell gilt, dass Sie nichts fragen sollten, was Sie vorab in einer Recherche leicht hätten herausfinden können. Das wirkt unvorbereitet, wenn nicht gar desinteressiert. Zudem vergeuden Sie damit wertvolle Zeit, die Sie nutzen können, um Informationen zu erhalten, die von außen nicht ohne Weiteres zugänglich sind.

    Fragen, die Sie in ein ungünstiges Licht rücken

    Vorsicht ist geboten bei Fragen zum Gehalt, zur Arbeitszeit, zum Urlaub und zu eventuellen Beförderungen. Vermeiden Sie unbedingt folgende Formulierungen:

    • Was werde ich als Wirtschaftsinformatiker verdienen?

    Sie sollten möglichst vorab recherchieren, mit welchem Gehalt Sie ungefähr rechnen können. Lassen Sie den Personaler dieses Thema ansprechen und haben Sie eine Zahl parat, wenn er Sie nach Ihren Gehaltsvorstellungen fragt.

    • Kann man bei Ihnen etwas später anfangen und dafür länger bleiben?

    Fragen zur Arbeitszeit sollten Sie, wenn sie nicht vom Personaler angesprochen werden, möglichst offen formulieren, z. B.: Welche Angebote gibt es im Unternehmen für eine gute Work-Life-Balance? Oder: Gibt es im Unternehmen Gleitzeit?

    • Wie schnell kann ich mit einer Beförderung rechnen?

    Das erweckt den Eindruck, dass Sie sich gar nicht für die ausgeschriebene Stelle interessieren, sondern sie nur als kurzfristiges Sprungbrett benutzen wollen.

  6. Stellen Sie ca. zwei bis vier Rückfragen. Zu wenige Fragen können Desinteresse signalisieren. Zu viele Fragen können den zeitlichen Rahmen übersteigen.

    Formulieren Sie offene Fragen, d. h. Fragen, die nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden können. So erhalten Sie umfangreichere Informationen und sorgen für eine ausgewogene Gesprächsführung.

    Verwenden Sie Ich-Botschaften, um eine Verbindung zwischen eigenem Wissen und Interesse am Gegenüber herzustellen, zum Beispiel: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass … Was können Sie mir dazu aus Ihrer Erfahrung sagen?

  7. Wenn Sie im Vorstellungsgespräch sinnvolle eigene Fragen stellen, können Sie nicht nur wichtige Informationen über das Unternehmen erhalten, sondern auch Ihr Interesse an der Stelle und Ihre Fähigkeit zu aktiver Gesprächsführung unter Beweis stellen. So erhöhen Sie Ihre Chancen, die gewünschte Position zu bekommen.

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